Nachdem Du in Teil 1 meiner Anleitung für Amazon KDP und Teil 2a oder Teil 2b deine ersten Entscheidungen getroffen hast und in Teil 5 deine Keywords erstellt hast, kommt eine Entscheidung, die sich simpel anfühlt — und es nicht ist: Was soll das Buch kosten?
Die naheliegende Antwort klingt so: Ich mache es günstig, dann kaufen mehr Leute. Das ist ein Instinkt, der in vielen Märkten stimmt. Bei KDP stimmt er nur bedingt — und manchmal ist er geradezu kontraproduktiv.
Was der Preis kommuniziert
Bevor wir über Zahlen reden, ein Gedanke vorab: Der Preis ist nicht nur eine Zahl. Er ist ein Signal. Wer ein Sachbuch über Finanzplanung für 2,99 Euro anbietet, kommuniziert damit — ob er will oder nicht — dass das Buch nicht viel wert ist. Wer dasselbe Buch für 14,99 Euro anbietet, kommuniziert Expertise und Substanz. Ob der Inhalt tatsächlich besser ist, spielt in diesem ersten Moment keine Rolle. Der Preis entscheidet mit darüber, wer klickt — und wer nicht.
Die Preisspannen bei KDP
Für E-Books gilt bei KDP eine wichtige technische Besonderheit: Zwischen 2,99 und 9,99 Euro bekommst du 70 Prozent Provision. Darunter und darüber sinkt sie auf 35 Prozent. Das bedeutet, dass ein E-Book für 0,99 Euro dir pro Verkauf weniger einbringt als eines für 2,99 Euro — obwohl du viermal so viele Exemplare verkaufen müsstest, um denselben Umsatz zu erzielen.
Für gedruckte Bücher funktioniert die Kalkulation anders: Amazon zieht zuerst die Druckkosten ab, dann berechnet sich deine Provision aus dem Rest. Bei einem Taschenbuch mit 200 Seiten liegen die Druckkosten je nach Format bei etwa drei bis fünf Euro. Wer das Buch für acht Euro anbietet, verdient kaum etwas. Wer es für vierzehn Euro anbietet, hat deutlich mehr Spielraum.
Low-Content: günstig oder doch nicht?
Bei Notizbüchern und Plannern ist die Versuchung groß, den Preis so niedrig wie möglich zu setzen, um gegen die Masse der Konkurrenz zu bestehen. Das funktioniert kurzfristig — und langfristig kaum. Wer über den Preis konkurriert, befindet sich in einem Rennen, das er nicht gewinnen kann, weil immer jemand bereit ist, noch günstiger zu sein.
Besser ist es, über den Mehrwert zu konkurrieren. Ein Notizbuch für eine spezifische Zielgruppe — mit einem durchdachten Cover, einem klaren Konzept, vielleicht einem kleinen Einleitungstext — rechtfertigt einen höheren Preis als ein generisches Notizbuch mit leeren Seiten. Zwölf bis sechzehn Euro für ein gedrucktes Low-Content-Buch sind realistisch, wenn das Produkt überzeugend wirkt.
Sachbücher und Ratgeber: was der Markt trägt
Hier gilt als Faustregel: Schau dir die Preise der Bestseller in deiner Nische an. Was verlangen die Bücher mit den meisten Bewertungen? Das ist der Marktpreis — nicht als Deckel, sondern als Orientierung. Wer deutlich darunter liegt, wirkt billig. Wer deutlich darüber liegt, braucht einen sehr überzeugenden Grund dafür, zum Beispiel einen bekannten Autorennamen oder eine außergewöhnliche Positionierung.
Für E-Books in Sachbuch-Nischen sind vier bis acht Euro ein realistischer Bereich. Für gedruckte Ratgeber zehn bis achtzehn Euro. Wer ein Workbook mit echtem Nutzwert anbietet — also eines, das der Leser aktiv ausfüllt — kann auch zwanzig Euro und mehr verlangen, weil der wahrgenommene Wert höher ist.
Was deine Preisentscheidung über dich verrät:
Wer reflexartig günstig ansetzt, unterschätzt meistens den Wert des eigenen Produkts — oder hat Angst vor Ablehnung. Ein zu niedriger Preis schützt nicht vor schlechten Bewertungen, er verhindert nur, dass du angemessen verdienst.
Wer dagegen hoch ansetzt, ohne dass das Produkt diesen Preis rechtfertigt, wird es in den Bewertungen merken. Ein fairer Preis ist einer, bei dem du dir selbst sagen kannst: Dafür bekommt der Käufer echten Gegenwert.
Ein letzter Hinweis: Preise lassen sich bei KDP jederzeit ändern. Wer unsicher ist, kann mit einem mittleren Preis starten, die Conversion-Rate beobachten und nach vier bis sechs Wochen anpassen. Der Algorithmus bestraft Preisänderungen nicht — er bewertet nur das Ergebnis.
→ Weiter zu Entscheidung 7: Einzeltitel oder Reihe aufbauen?
Ich habe übrigens mit Amazon KDP angefangen, um Bücher über und für meine Kinder zu erstellen. Dort baue ich persönliche Erlebnisse und die sprachliche Entwicklung meiner Kinder ein, z.B. beim Plapagei, dem plappernden Papagei – viel Spaß beim Lesen und Erstellen eigener Bücher!